E-Mobilität im XXL-Format.
Omnibus Magazin

E-Mobilität im XXL-Format.

Der vollelektrische Gelenkbus eCitaro G fährt lokal emissionsfrei. Mit faszinierender Technik.

Herr Vorgerd, welche Bedeutung hat der Mercedes-Benz eCitaro G für die Elektromobilität mit Stadtbussen?

Gelenkbusse werden aufgrund ihrer hohen Fahrgastkapazität vorwiegend auf hochfrequentierten Strecken in Städten und Metropolen eingesetzt. Diese Gebiete sind gleichzeitig besonders umweltsensibel. Dies betrifft sowohl Abgas- als auch Geräuschemissionen. Der eCitaro G bietet nicht nur viel Platz, er fährt zudem lokal abgasfrei und ist leise. Somit stellt er einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zur Elektromobilität hin zu lebenswerteren Städten dar.

E-Mobilität im XXL-Format.
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„Wichtiger Schritt hin zu lebenswerteren Städten“

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Hervorragende Fahrdynamik und Traktion dank zwei angetriebener Achsen.

Weshalb ist der eCitaro G erst deutlich nach dem Solobus an den Start gegangen?

Ein Punkt war die gleichzeitige Premiere der nächsten Generation der Batterietechnologie. Denn mit rund 30 Tonnen statt 19 Tonnen zulässiger Gesamtmasse und einem deutlich größeren Fahrgastraum benötigt ein Gelenkbus für die identische Reichweite eines Solobusses deutlich mehr Energie. Hier hilft jede Kilowattstunde die wir mehr an Bord haben. Außerdem mussten wir das umfassende Absicherungsprogramm von Solo- und Gelenkbus zeitlich aufeinander abstimmen.

Warum gibt es den eCitaro G mit zwei angetriebenen Achsen?

Ein vollbesetzter eCitaro G wiegt immerhin 30 Tonnen. Auf Linien mit Ampelstopps und Haltestellen in starken Steigungen bieten die zwei angetriebenen Achsen eine hervorragende Fahrdynamik. Darüber hinaus bedeuten zwei angetriebene Achsen bei glatten Straßen im Winter ein erhebliches Plus an Traktion und Fahrsicherheit. Übrigens: Technisch ist diese Lösung bei unserem Konzept mit jeweils zwei radnabennahen Motoren an jeder Achse vergleichsweise einfach umzusetzen.

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Perfekte Gewichtsverteilung für maximale Fahrgastzahl.

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Perfekte Gewichtsverteilung für maximale Fahrgastzahl.

„Der eCitaro G ist ein Stadtbus nach Maß“

Häufig ist von der Modularität des eCitaro G die Rede – was bedeutet dies in der Praxis?

Der eCitaro G ist ein Stadtbus nach Maß. Das betrifft vor allem die Batterien: Wir bieten ihn wahlweise mit NMC-Batterien oder Festkörperbatterien an. Beide Batterietechnologien gibt es in unterschiedlichen Konfigurationen. Außerdem können unsere Kunden bei der Ladetechnologie der NMC Batterien zwischen Ladestecker, Pantograph oder Ladeschienen wählen. Nicht zuletzt gibt es die Ladestecker in drei Positionen: serienmäßig rechts über dem Radlauf der Vorderachse, auf Wunsch aber auch links und am Heck. Bis zu zwei Positionen pro Fahrzeug sind möglich. Das bedeutet maximale Flexibilität auf dem Betriebshof.

Eine Herausforderung ist die Gewichtsverteilung zwischen den Achsen von Gelenkbussen. Wie sind sie an dieses Thema herangegangen?

Indem wir die Batterien beim Gelenkbus anders verteilen als beim Solobus. Im ehemaligen Bauraum von Motor und Getriebe im Heck montieren wir beim Gelenkbus zwei statt sonst vier Batteriepakete, das belastet die Hinterachse deutlich weniger. Die weiteren Batteriepakete setzen wir vorne auf das Dach des Hinterwagens sowie auf das Dach des Vorderwagens. Identisch ist die sehr tragfähige Acht-Tonnen Vorderachse. Daraus ergibt sich eine perfekte Gewichtsverteilung und somit eine maximale Zahl an Fahrgastplätzen.

Gelenkbusse haben einen höheren Energieverbrauch als Solowagen. Wie erzielen Sie trotzdem eine maximale Reichweite?

Wie beim Solowagen haben wir ein umfassendes Thermomanagement umgesetzt um den Energieverbrauch zu optimieren. Dazu gehört eine Vernetzung aller wärmeabgebenden Komponenten. Ebenso die Beheizung durch eine hocheffiziente Wärmepumpe mit dem Medium CO2. Bereits während der Aufladung im Depot wird der Innenraum vorkonditioniert, er kann sogar etwas überkonditioniert werden. Im Winter fährt der Gelenkbus also etwas wärmer und im Sommer etwas kühler als notwendig aus dem Depot. Damit holen wir den letzten Kilometer Reichweite heraus. Heizung und Klimatisierung sind zudem vollautomatisiert und richten sich nach der Auslastung des Fahrgastraums.

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Daniel Vorgerd, Leiter Hochvoltsystem Applikation bei Daimler Buses.

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Typisch eCitaro: Wie im Solobus senken auch im Gelenkbus technische Kniffe den Energieverbrauch.

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Powermeter statt Drehzahlmesser: Fahrern fällt die Umstellung auf den eCitaro G leicht.

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Powermeter statt Drehzahlmesser: Fahrern fällt die Umstellung auf den eCitaro G leicht.

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Powermeter statt Drehzahlmesser: Fahrern fällt die Umstellung auf den eCitaro G leicht.

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Worauf muss sich das Fahrpersonal beim Wechsel vom Diesel-Gelenkbus auf den E-Gelenkbus einstellen?

Der Wechsel vom herkömmlichen Gelenkbus auf den eCitaro G ist völlig unproblematisch. Nach der Devise „einsteigen und losfahren“ entspricht der Fahrerarbeitsplatz weitestgehend dem des dieselgetriebenen Citaros. Allein der Drehzahlmesser wurde durch ein Powermeter ersetzt. Es zeigt die abgeforderte Leistung und die Rekuperation an. Dies unterstützt die Fahrer beim energieeffizienten Fahren.

Der eCitaro G ist sauber – aber wie sicher ist er?

Sicherheit wird bei uns grundsätzlich groß geschrieben. Die serienmäßige Wank-Nick Regelung verhindert trotz der gewichtigen Batterien auf dem Dach eine unkomfortable Seitenneigung. Mit der ebenfalls serienmäßigen Knickwinkelsteuerung Articulation Turntable Controller (ATC) erreichen wir eine Fahrstabilität annähernd auf dem Niveau von ESP. Sehr geschätzt von Verkehrsunternehmen und Fahrern sind die optionalen Assistenzsysteme Preventive Brake Assist, also der aktive Bremsassistent und der Abbiegeassistent Sideguard Assist. Der Fahrer wir auf diese Weise entlastet und schwächere Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger und Radfahrer, werden wirkungsvoll geschützt.

Omnibusse müssen rollen – ist der Service ebenso spezifisch wie die Technik?

Selbstverständlich. Die Basisgarantie für die Hochvoltbatterien zum Beispiel richtet sich nicht allein nach einer starren Jahreszahl, sondern auch nach dem individuellen Energiedurchsatz, also der Beanspruchung des Fahrzeugs. Auf Wunsch gibt es individuelle Lösungen. Hinzu kommen die Serviceverträge.